Jahrestagung der BAG Schulgarten 2025: „Nachhaltige Ernährungsbildung im Schulgarten“

Die PH Karlsruhe war im September 2025 Gastgeberin der Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Schulgarten e. V. mit Fachbeiträgen, Workshops und Exkursionen.

Übergabe des Sonja-Bernadotte-Preis „Wege zur Naturerziehung“ an Stefan Behr. V. l. n. r.: Prof. Dr. Dorothee Benkowitz, Prof. Martin Husemann, Gräfin Bettina Bernadotte, Stefan Behr, Karsten Möring

Vom 24.-26.09.2025 fand an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (PH KA) die Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Schulgarten e. V. (BAG Schulgarten) statt. Jährlich treffen sich neben den Vereinsmitgliedern etliche Schulgarten-Aktive und -Interessierte, immer an wechselnden Tagungsorten in Deutschland. In diesem Jahr war die PH KA Gastgeberin der Tagung, die gerne ihre Räume am Mittwoch für die Jahreshauptversammlung des Vereins sowie am Donnerstag, dem eigentlichen Tagungstag, für einen Vortrag und eine Preisverleihung, für das Catering und für etliche praktische Workshops zur Verfügung gestellt hat. Am Freitag fand eine der beiden Exkursionen in den Ökologischen Lehr-Lerngarten der PH KA statt. Die Tagung stand unter der Schirmherrschaft von Alois Rainer, Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, und wurde organisatorisch und finanziell von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung unterstützt.

Schwerpunkt der Veranstaltung war das Thema „Nachhaltige Ernährungsbildung im Schulgarten“. Kooperationspartner der BAG Schulgarten für diese Tagung war Slow Food. Die beiden Vereine arbeiten im Rahmen eines Kooperationsvertrages seit vielen Jahren zusammen. Denn beide haben bezüglich ihrer Ziele eine große Schnittmenge, nämlich eine Ernährungsbildung, die das Verständnis für eine nachhaltige Entwicklung bezüglich der Produktion und des Konsums von Lebensmitteln zum Ziel hat. Entsprechende Kompetenzen können durch den Anbau von essbaren Nutzpflanzen im Schulgarten gefördert werden, daher unterstützt Slow Food Schulgärten weltweit. Im Rahmen eines Workshops am Donnerstagnachmittag wurde den interessierten Teilnehmer:innen das Karlsruher „Slow Mobil“ vorgestellt, eine mobile Küche, die an Schulen und andere Bildungseinrichtungen kommt, um dort mit Kindern und Jugendlichen gesunde und nachhaltige Gerichte zu kochen.

Zum Auftakt der Tagung wurden die Teilnehmenden begrüßt von der BAG Schulgarten-Vorsitzenden Prof. Dr. Dorothee Benkowitz, die an der PH Karlsruhe das Institut für Biologie und Schulgartenentwicklung leitet und Dekanin der Fakultät für Natur- und Sozialwissenschaften ist. Auch der Rektor der PH KA, Prof. Dr. Klaus Peter Rippe, hieß die Teilnehmenden willkommen und wies in seinem Grußwort auf die Bedeutung der Lehr-Lern-Labore, zu denen auch der Ökologische Lehr-Lerngarten zählt, für die Hochschulentwicklung hin. Für Slow Food begrüßte Jens Herion, der aus Karlsruhe kommt, sich aber mittlerweile auch im Bundesvorstand von Slow Food engagiert. In ihrer Key Note „Ernährungsbildung über den Klassenraum hinaus“ stellte Prof. Dr. Silke Bartsch (TU Berlin) die Potenziale des Schulgartens für den ernährungsbezogenen Unterricht heraus.

Bevor es in die erste Workshop-Runde ging, wurde in feierlichem Rahmen der diesjährige Sonja-Bernadotte-Preis „Wege zur Naturerziehung“ verliehen. Dazu waren eigens Gräfin Bettina Bernadotte von der Insel Mainau und Karsten Möring, Präsident der Deutschen Gartenbaugesellschaft 1822 e. V. (DGG), angereist. Der Preis wird von der DGG verliehen und von der Lennart-Bernadotte-Stiftung finanziert. Preisträger war Stefan Behr, ein Lehrer aus Hamburg, der sich sehr für die naturnahe Gestaltung von Schulhöfen engagiert. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Martin Husemann, Direktor des Naturkundemuseums Karlsruhe. Ihn bekamen die Teilnehmer:innen später noch einmal zu Gesicht, denn er bot zusammen mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter allen Interessierten nach Ende des Tagungsprogramms eine Führung durch das Museum inkl. der neuen Ausstellung „Versammelt“ an - ein Angebot, das sich kaum jemand entgehen ließ.

Vor den Workshops und zwischen den beiden Workshop-Phasen konnten sich die Teilnehmenden bei einem schmackhaften und kreativen Catering des kleinen Karlsruher Restaurants „Rote Bete“ stärken. Die florale Dekoration wurde von den engagierten Mitarbeiterinnen des Instituts für Biologie und Schulgartenentwicklung liebevoll aus frisch geernteten Pflanzen aus dem Ökologischen Lehr-Lerngarten zusammengestellt. Auch die studentischen Mitarbeiterinnen, die die Teilnehmer:innen durch die Gebäude und Flure lotsten, trugen ihren Teil dazu bei, dass sich die Teilnehmenden wohl fühlen und sich ganz auf die Tagungsinhalte konzentrieren konnten.

In der Mittagspause fand ein „Markt der Möglichkeiten“ statt, auf dem sich neben der BAGS und Slow Food die Schreberjugend, die Europa-Minigärtner und die Zeitschrift „Mein kleiner schöner Garten“ des Burda-Verlags präsentierten.

In den Workshops ging es sehr praxisnah um vielfältige Themen und Ideen für den Unterricht im Schulgarten im Zeichen der Ernährungsbildung: Vom Bau kleiner Kistengärten über die Frage nach der Saisonalität von Obst und Gemüse über Möglichkeiten der Zubereitung bis hin zur Tierhaltung im Schulgarten. Die Workshop-Leiter:innen kamen aus ganz Deutschland, sogar aus Österreich und Ungarn waren Referent:innen angereist.

Am Freitag konnten die Teilnehmer:innen zwischen zwei Exkursionen wählen. Zum Einen boten Prof. Dr. Benkowitz zusammen mit Prof. Dr. Hans-Joachim Lehnert, ihrem „Vorgänger“ in der Institutsleitung, eine Führung im Ökologischen Lehr-Lerngarten der PH KA an. Die andere Exkursion führte zunächst in die Ernst-Reuter-Schule, die ein paar Tage später mit dem Deutschen Schulpreis in der Kategorie „Demokratiebildung“ ausgezeichnet wurde. Den Exkursionsteilnehmer:innen wurde das schuleigene Fach „Themenorientiertes Arbeiten“ vorgestellt, in dem der Schulgarten in vielen Projekten eine zentrale Rolle spielt. Anschließend wurde der Soziale Garten Karlsruhe besucht, eine Einrichtung der „Arbeitsförderung Karlsruhe“ gGmbH. Der Garten bietet geförderte Beschäftigung für rund 30 langzeitarbeitslose Menschen auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei. Das ökologisch angebaute Obst und Gemüse des Gartens kommt sozialen Einrichtungen zugute, aber auch z. B. dem Slow Mobil von Slow Food.

Trotz des für Karlsruhe sehr ungewöhnlichen Dauerregens war die Tagung für alle Beteiligten eine sehr ertragreiche Veranstaltung, in der sich die Teilnehmenden nicht nur informieren, sondern vor allem auch ausgiebig austauschen und vernetzen konnten.

Tagungsflyer als pdf

  anna.max@ph-karlsruhe.de