„Daten für Taten“ – EFFEKTE-Reihe im Juli zur Motorik bei Kindern und Jugendlichen

Bericht, 20. Juli 2026


Am 14. Juli 2026 gestalteten Wissenschaftler:innen der PHKA und des KIT gemeinsam einen Abend der EFFEKTE-Reihe 2026 „Zukunft gestalten: Gesundheit für die Gesellschaft von morgen” mit dem Thema „Mehr als Sport: Physische Fitness als Indikator für Gesundheit“.

auf einem Sofa im Kulturraum TRIANGEL sitzen auf einem Sofa die sechs Referent:innen, daneben auf einem Sessel der Modertor der Fragerunde. Im Hintergrund ist eine Leinwand mit dem EFFEKTE-REihe-Plakat und runden Bildern der Beteilgten zu sehen.
© PHKA/IfBS Die Referent:innen beim EFFEKTE-Abend zu "Mehr als Sport: Physische Fitness als Indikator für Gesundheit" auf dem Sofa im TRIANGEL mit Moderator Uwe Gradwohl

Bereits vor den Türen des Veranstaltungsort TRIANGEL am Kronenplatz begegneten die Besuchenden dem Thema: einfache Messgeräte aus Holz für den „Einbeinstand“, „Balancieren rückwärts“, „Seitliches Hin- und Herspringen“ und die „Rumpfbeuge“ standen für persönliche Tests, betreut von der Sportstudentin Lale Kohrell, bereit. 

Diese Messgeräte waren auch Thema des ersten Vortrags, in dem PD Dr. Anke Hanssen-Doose (PHKA) und Dr. Claudia Niessner (KIT) in den „Maschinenraum“ der seit 2003 durchgeführten Motorik-Modul-Längsschnittstudie (kurz: Momo-Studie) zu Kindern und Jugendlichen von 4 bis 17 Jahren einluden. Motorik ist ein Konstrukt aus mehreren Dimensionen und zu jeder Dimension gibt es Testaufgaben mit verschiedenen Geräten. Dies garantiert die Vergleichbarkeit der Ergebnisse über die Jahrzehnte hinweg. Doch es werden nicht nur Daten gesammelt, unter dem Schlagwort „Daten für Taten“ plädieren die Wissenschaftlerinnen für mehr Bewegungsförderung in allen Bereichen.

Denn dies, so erläutert Prof. Dr. Elke Oper (PHKA) im zweiten Vortrag, führt nicht nur zu verbesserter Motorik sondern auch besserer Stressbewältigung. Seit 2023 unter dem Namen MoMo 2.0 werden in der Studie auch Daten zu den Stressoren der Kinder und Jugendlichen erhoben. Erste Ergebnisse zeigen, dass jene Kinder, die mehrere Stunden in der Woche im Sportverein aktiv sind, damit besser umgehen können, kurz gesagt „Gleicher Stress – weniger Symptome“.

Innerhalb der MoMo-Studie gibt es verschiedenen Messwellen, in die von 2018 bis 2022 fiel die Coronapandemie und konfrontierte die Wissenschaftler:innen mit der Frage: Wie kommen wir an unsere Daten. Im Zuge der Digitalisierung war es naheliegend, eine videokonforme Erfassung zu entwickeln, was mit dem DigiMot-Testprofil gelang. Dieses stellte PHKA-Doktorand Thorsten Klein, der maßgeblich an der Entwicklung der digitalen Testformate auf Videokonferenzbasis beteiligt war, dem Publikum vor.

Noch einen Schritt weiter gehen KI-gestützte Verfahren zur Erfassung und Analyse von motorischen Fähigkeiten, die Clara Zöller, Doktorandin am KIT, im vierten Vortrag vorstellte. Hierzu zeigte sie das Video eines hüpfenden Kindes, bei dem eine KI – nach viel Training – die Gelenkpunkte markierte und verband, so dass ein „Skelett“ auf dem Kind erschien. Dank Mustererkennung eröffnet dies neue Möglichkeiten zur Erfassung und Analyse motorischer Fähigkeiten. Dennoch, so Zöllers Fazit, kann es nur eine Ergänzung sein, denn „Die KI sieht nur Strichmännchen, wir sehen den Menschen“.

„Wie messen wir Motorik fair?“ fragte Dr. Sarah Heinisch (PHKA/KIT) und stellte die erweiterte Version des Deutschen Motorik Test „DTM Plus vor. Viele der ursprünglichen Testaufgaben sind für Kinder mit Behinderungen häufig nicht durchführbar, deshalb entwickelten die Berliner Initiative "BERLIN HAT TALENT", die Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen und das KIT eine alternative Testbatterie. Anschaulich stellte Frau Heinisch dar, wie die Tests verändert werden können: so kann Kraft bei einem Menschen im Rollstuhl mit einem Medizinball oder Balancefähigkeit anhand zweier platzierter Bänke, zwischen denen sie oder er hindurchsteuern muss, gemessen werden.

In der von Uwe Gradwohl wie schon der ganze Abend kenntnisreich moderierten Diskussion mit allen Referent:innen gab es unter anderem Fragen zur Erhebung von soziodemographischen Aspekten (wird berücksichtigt), den Einfluss der Daten auf die Bildungspolitik (mehr Beachtung der Ergebnisse wäre schön) und die Umsetzung in der Lehrerbildung beider Institutionen (sehr gut im Curriculum verankert). Nun so aufgeklärt, testeten im Anschluss noch viele die Besuchenden den Teststationen die eigenen motorischen Fähigkeiten.

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  • auf einem Sofa im Kulturraum TRIANGEL sitzen auf einem Sofa die sechs Referent:innen, daneben auf einem Sessel der Modertor der Fragerunde. Im Hintergrund ist eine Leinwand mit dem EFFEKTE-REihe-Plakat und runden Bildern der Beteilgten zu sehen.

Aktualisiert am 21. Juli 2026 von Kirsten Buttgereit